Chefsache Mensch

New Work ist ein Dreiklang aus Kultur, Raum und Technologie

Carolin Höll im Podcast „Feierabend“: Warum New Work beim Sinn anfängt, wie Kultur, Raum und Technologie zusammenhängen und warum jetzt der richtige Moment ist.

Carolin HöllGeschäftsführende Gesellschafterin Aktualisiert am 16.10.20265 Min. Lesezeit
New-Work-Raum mit Sitzlandschaft bei Schulz Flexgroup, eingerichtet von HÖLL

Kurz gesagt

Carolin Höll war im Podcast „Feierabend“ von dreimaleins zu Gast. Ihre Sicht auf New Work in drei Sätzen:

  • New Work beginnt bei der Frage, wofür man arbeitet, nicht bei den Möbeln.
  • Kultur, Raum und Technologie hängen zusammen: Ändert sich eins, müssen die anderen folgen.
  • Ruhigere Zeiten sind der richtige Moment, in Kultur, Räume und Technik zu investieren.

Im September 2025 war ich bei Carl-Georg Gruner im Podcast „Feierabend“ der Agentur dreimaleins aus Baden-Baden zu Gast. Wir haben über New Work gesprochen, über die Arbeitswelten von morgen und darüber, wie ich 2019 in die Nachfolge bei HÖLL gekommen bin. Hier stehen die Gedanken, die mir am wichtigsten sind. Wer lieber zuhört, findet die ganze Folge direkt darunter.

Podcast „Feierabend“ von dreimaleins, Folge 58, September 2025

Wie ich zu New Work gekommen bin

2019 kam ich von einem Tag auf den anderen in die Nachfolge. Vorher saß ich für McKinsey in Großraumbüros in München und anderswo. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich einmal von der Hubertusstraße in Baden-Baden aus Kunden in der Region betreue, hätte ich es nicht geglaubt.

Acht Tage später war ich in der Firma und habe angefangen, Transparenz zu schaffen: Was machen wir eigentlich? Welche Kunden betreuen wir, manche seit Jahrzehnten? Ich habe mich mit jedem Mitarbeitenden getroffen, viele Fragen gestellt und zugehört. Erst danach, im Herbst 2019, haben wir den Strategieprozess begonnen, und zwar gemeinsam mit dem Team.

Mein Vater und ich sind sehr unterschiedliche Unternehmerpersönlichkeiten. Was er und mein Großvater aufgebaut haben, sehe ich heute deutlicher als früher. Den größten Unterschied habe ich im Führungsstil mitgebracht:

„Ich habe einen anderen Leadership-Stil gelernt, der viel inklusiver ist und viel mehr darauf aus ist, selbstbestimmt an sein Ziel zu kommen, statt überall eine klare Aufgabenstruktur und Rollendefinition zu haben.“

Am Anfang war das ein Zusammenprall von zwei Kulturen. Deshalb war die Entwicklung unserer Unternehmenskultur die Voraussetzung dafür, die Strategie überhaupt umsetzen zu können.

Dann kam Corona. Das hat uns gebremst und zugleich beschleunigt. Unsere Kunden brauchten plötzlich Microsoft Teams, und viele Unternehmer standen vor halb leeren Büros und der Frage, was sie mit diesen Flächen künftig machen. Damit lag auf dem Tisch, worum es bei New Work geht.

New Work fängt beim Sinn an

Für mich beginnt New Work nicht bei den Möbeln, sondern bei der Frage, wofür man arbeitet. Das gilt für jeden Einzelnen und für jede Organisation. Wer weiß, wofür er arbeitet, will auch mitbestimmen, wie er dorthin kommt. Daraus entstehen neue Leitlinien und neue Arbeitsmodelle.

Viele verbinden mit New Work vor allem die Ausstattung: Pflanzen im Büro, Lounges, arbeiten von überall. Das gehört dazu. Dahinter steht aber ein Kulturwandel. Wie die einzelnen Konzepte von Activity-Based Working bis Desk Sharing aussehen, steht in unserem Ratgeber New Work Konzepte und Praxisbeispiele.

Der Dreiklang: Kultur, Raum, Technologie

„Bei HÖLL verstehen wir New Work als Dreiklang aus Kultur, Raum und Technologie.“

Die drei hängen aneinander. Ändert sich die Art, wie ein Team zusammenarbeitet, ändert sich der Raum: Wer Teams anders zusammenführen oder bereichsübergreifend arbeiten will, braucht andere Flächen. Und der Raum stellt neue Anforderungen an die Technik, von der Plattform für die Zusammenarbeit bis zu den Geräten im Raum. Aus einem Dreierbüro wird vielleicht ein Studio, und dann braucht es dort plötzlich etwas ganz anderes.

So kommen wir von der Anforderung zum Lösungskonzept. Die Fragen an unsere Kunden lauten: Wie arbeiten Sie heute zusammen? Wohin wollen Sie? Und wie helfen Raum und Technik dabei, das umzusetzen? Was das für die Einrichtung heißt, haben wir in New Work Büro einrichten: Zonen, Rückzugsorte, Akustik zusammengefasst.

Erst verstehen, was ein Team zusammenhält

Meist sprechen wir zuerst mit der Geschäftsführung und gehen dann schnell in Konzeptworkshops mit den Teams des Kunden. Uns ist wichtig zu verstehen, wie die Kultur heute ist: Was bewegt die Leute, was gefällt ihnen, was ist der Kleber, der sie zusammenhält? Und dann: Wie können Räume und Technik das verstärken, oder auch das, was das Unternehmen künftig sein will?

Mich freut, dass sich immer öfter auch traditionelle und eher konservative Unternehmen auf solche ergebnisoffenen Workshops einlassen und sie bis zur Umsetzung durchziehen.

Wo wir das umgesetzt haben

  • Sparkasse Baden-Baden Gaggenau: Räume für eine regionale Bank, nachzulesen im Projekt Sparkasse Baden-Baden Gaggenau.
  • Schulz Flexgroup: ein New-Work-Raum, in dem das Team gern zusammenarbeitet. Die Success Story Schulz Flexgroup erzählt, wie er entstanden ist.
  • Mönninghoff: ein Neubau, den wir von der Konzeption bis zur Umsetzung begleitet haben.
  • Palabra Praxisgruppe: eine Kette von Logopädie-Praxen, die wir seit dem ersten Tag betreuen. Zusammen mit einem Architekten aus Berlin statten wir jede neue Praxis aus, vom WLAN über Laptops und Drucker bis zu den Möbeln, dem Material für die Therapie und dem Staubsauger. Mehr dazu im Projekt Palabra Praxisgruppe.

Wie wir dabei vorgehen, steht auf der Seite Arbeitswelten planen und einrichten.

Warum jetzt der richtige Moment ist

Die Zeit ist im Umbruch, und viele Unternehmen in der Region spüren das auch wirtschaftlich. Ich sehe darin eine Chance:

„Wir sollten die vielleicht nicht ganz so vollen Auftragsbücher dafür nutzen, uns selbst zu erneuern und zu sagen: Wir investieren wieder, in die Transformation von Unternehmenskulturen.“

Also in neue Technik, in Ausstattung, in Orte, an denen man sich begegnet. Damit eine Organisation enger zusammenrückt und effizienter wird. Und damit sie attraktiver wird: für die Talente, die man für neue Ideen braucht, und für die eigenen Kunden.

Was mir in vielen Gesprächen auffällt, ist eine gewisse Lähmung nach den Krisen der letzten Jahre. Man sitzt mit Geschäftsführern zusammen, und das Gespräch dreht sich nur noch um das, was nicht funktioniert. Dann sage ich:

„Lass uns die Stunde jetzt nutzen und überlegen, wie wir beide gerade etwas Positives für unsere beiden Firmen entwickeln können.“

Mein Wunsch ist, dass wir als Unternehmen näher zusammenrücken und gemeinsam Neues anpacken, statt auf bessere Zeiten zu warten.

Drei Fragen für den Anfang

  1. Wofür arbeiten wir? Solange das nicht klar ist, ändert auch ein neues Büro wenig.
  2. Was hält unser Team zusammen? Genau das soll der neue Raum verstärken.
  3. Was müssen Raum und Technik dafür können? Erst die Arbeitsweise, dann die Fläche, dann die Geräte.

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Carolin Höll

Die Autorin

Carolin Höll

Geschäftsführende Gesellschafterin

Eine Firma übernimmt man nicht beim Notar, sondern im Gespräch mit jedem Einzelnen.

Ex-McKinsey. Hat internationale Unternehmen in Strategie, Personal und Unternehmenskultur beraten. Führt HÖLL seit 2019 in dritter Generation.

Worüber ich schreibe

  • Nachfolge, die gelingt
  • Arbeit, für die Leute bleiben
  • KI als Chefsache