Pflegeroboter, die Menschen waschen, umlagern oder aus dem Bett heben, gibt es im Alltag deutscher Pflegeheime 2026 noch nicht als fertiges Produkt. Was heute zuverlässig läuft, sind Roboter, die tragen: Wäsche, Essen, Getränke und Material von der Küche oder dem Lager auf die Wohnbereiche. Sie pflegen niemanden, aber sie nehmen den Pflegekräften Wege ab, auf denen bisher Zeit für die Bewohner verloren ging.
Dieser Ratgeber sortiert, was Roboter im Pflegeheim heute übernehmen, wo die Grenze liegt und was ein Haus klären sollte, bevor der erste Roboter über den Flur fährt.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Pflegeroboter?
Ein Pflegeroboter ist ein Roboter, der in der Pflege eingesetzt wird, um Pflegekräfte zu entlasten. Unter dem Begriff laufen drei sehr verschiedene Gerätearten: Roboter, die direkt am Menschen helfen, Roboter für Gespräch und Beschäftigung, und Roboter für Transport, Service und Reinigung. Serienreif und im Heimalltag bezahlbar ist bisher vor allem die dritte Gruppe.
- Assistenz am Menschen: Roboterarme und Assistenzsysteme, die beim Aufstehen, Anreichen oder Umlagern helfen sollen. Sie entstehen vor allem in Forschungsprojekten, etwa am Geriatronik-Zentrum der TU München in Garmisch-Partenkirchen.
- Soziale Roboter: Geräte, die Bewohner ansprechen, an das Trinken erinnern oder Videoanrufe mit Angehörigen aufbauen. Es gibt sie, ihr Nutzen hängt stark von der Begleitung durch das Personal ab.
- Logistik-, Service- und Reinigungsroboter: autonome Fahrzeuge, die Lasten durchs Haus bringen, im Speisesaal servieren oder nachts die Flure reinigen. Sie kommen aus Hotellerie, Gastronomie und Krankenhaus und lassen sich im Pflegeheim ohne Umbau des Pflegealltags einsetzen.
bis 690.000
Pflegekräfte könnten 2049 in Deutschland fehlen, bei einem Bedarf von 2,15 Millionen. Selbst in der günstigen Rechnung sind es 280.000. Quelle: Statistisches Bundesamt, Pflegekräftevorausberechnung, Januar 2024
Welche Aufgaben können Roboter im Pflegeheim heute übernehmen?
Roboter übernehmen im Pflegeheim heute vor allem Hol- und Bringdienste: Wäsche, Mahlzeiten, Getränke, Pflege- und Verbrauchsmaterial. Dazu kommen das Servieren im Speisesaal und die Bodenreinigung zu Zeiten, in denen kaum jemand auf den Fluren ist. Alles davon sind Aufgaben ohne direkten Kontakt zum Bewohner, die aber jeden Tag Zeit des Pflegepersonals binden.
Zum selben Ergebnis kommt ein dreijähriges Praxisprojekt. Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising hat im Altenheim St. Vinzenz in Garmisch-Partenkirchen erprobt, bei welchen Aufgaben ein Roboter, der sich selbstständig im Gebäude bewegt, wirklich hilft. Das Ergebnis im April 2026: vor allem bei logistischen, organisatorischen und vorbereitenden Aufgaben.
„… wo viel Zeit gebunden werde, ohne dass unmittelbare Pflege am Menschen stattfindet.“
Im Alltag eines Pflegeheims sehen diese Aufgaben so aus:
- Wäsche: saubere Wäsche aus der Wäscherei auf die Wohnbereiche, Schmutzwäsche zurück.
- Essen und Getränke: Speisewagen oder Tabletts aus der Zentralküche auf die Etagen, Getränke im Speisesaal an die Tische.
- Material: Inkontinenzmaterial, Verbandsmaterial und Hygieneartikel aus dem Lager in die Stationsräume, auf Abruf über ein Tablet.
- Abschließbare Lieferungen: Unterlagen oder persönliche Dinge in einem geschlossenen Fach, das sich erst mit Code öffnet.
- Reinigung: Flure, Speisesaal und Eingangsbereich, gern nachts oder am frühen Morgen.
Was können Pflegeroboter nicht?
Pflegeroboter können heute keine Grundpflege übernehmen: nicht waschen, nicht lagern, nicht beim Toilettengang helfen und keinen Menschen aus dem Bett heben. Sie ersetzen auch kein Gespräch und keine Beobachtung, ob es einem Bewohner heute schlechter geht. Diese Arbeit bleibt bei den Pflegekräften, und ein Roboter, der Wege übernimmt, soll genau dafür Zeit freimachen.
Dass es bei der Robotik am Menschen langsamer vorangeht als oft angekündigt, war auch auf dem Smart Health Automation Summit 2026 in Düsseldorf Thema: Automatisierung und KI kommen im deutschen Gesundheitswesen nur schleppend in die Praxis, und investiert wird eher in OP-Robotik als in Service auf den Stationen (ingenieur.de, 01.10.2026). Für ein Pflegeheim heißt das: nicht auf den Roboter warten, der pflegt, sondern mit dem anfangen, der heute trägt.
Das übernimmt der Roboter
- Wäsche, Essen und Material zwischen Küche, Lager und Wohnbereichen
- Servieren und Abräumen im Speisesaal
- abschließbare Lieferungen mit Code
- Bodenreinigung auf Fluren und in Gemeinschaftsräumen
Das bleibt bei der Pflegekraft
- Grundpflege, Lagern, Transfer aus dem Bett
- Medikamente richten und verabreichen
- Gespräch, Trost, Beobachtung
- jede Entscheidung über einen Bewohner
Der Roboter pflegt niemanden. Er trägt, damit die Pflegekraft beim Menschen bleiben kann.
Für welches Pflegeheim lohnt sich ein Roboter?
Ein Roboter lohnt sich in einem Pflegeheim, in dem jeden Tag viele gleiche Wege anfallen: mehrere Etagen, lange Flure, eine Zentralküche oder Wäscherei, die weit von den Wohnbereichen entfernt liegt. In einem kleinen Haus auf einer Ebene mit kurzen Wegen bringt er wenig. Entscheidend ist nicht die Zahl der Betten, sondern die Zahl der Fahrten, die heute ein Mensch erledigt.
Hilfreich ist eine ehrliche Bestandsaufnahme vor jedem Gespräch mit einem Anbieter. Welche Transporte wiederholen sich jeden Tag zur gleichen Zeit? Wer macht sie heute, eine Pflegekraft, eine Hilfskraft, die Hauswirtschaft? Und was würde diese Person mit der Zeit tun, wenn der Weg wegfiele?
Praxis-Tipp
Hängen Sie eine Woche lang an jede Stationstür eine Strichliste: eine Spalte je Transport (Wäsche, Essen, Material, Sonstiges), ein Strich je Gang. Nach sieben Tagen wissen Sie, welche Wege ein Roboter übernehmen könnte, und haben für das Gespräch mit Anbieter und Pflegekasse eine Zahl aus dem eigenen Haus.
Welcher Roboter für welche Aufgabe?
Welcher Roboter passt, hängt an der Aufgabe und an den Gängen im Haus: Für schwere Lasten wie Wäschekisten braucht es einen Transportroboter mit Ladefläche, für Lieferungen über mehrere Etagen einen Roboter, der den Aufzug selbst ruft, und für den Speisesaal einen schmalen Serviceroboter. Die Herstellerangaben der KEENON-Modelle, die HÖLL betreut, geben einen Anhaltspunkt:
| Aufgabe im Heim | Modell | Was es dafür mitbringt |
|---|---|---|
| Wäsche, Kisten, Speisewagen | KEENON S100 | Ladefläche für bis zu 120 kg, braucht etwa 90 cm Durchgang |
| Lieferungen über mehrere Etagen | KEENON Butlerbot W3 | vier geschlossene Fächer mit Code, ruft den Aufzug selbst (mit Zusatzmodul), 70 cm Durchgang |
| Vertrauliche Lieferungen | KEENON Dinerbot T3 | geschlossener Innenraum mit Passwort, bis 40 kg |
| Servieren im Speisesaal | KEENON Dinerbot T11 | kommt durch Gänge ab 49 cm, drei offene Ablagen |
| Böden in Fluren und Gemeinschaftsräumen | KEENON Kleenbot C30 / C40 | C30 kehrt und saugt, C40 schrubbt zusätzlich nass |
Für die schweren Wege zwischen Wäscherei, Küche und Wohnbereich ist der Transportroboter fürs Pflegeheim, der KEENON S100, die naheliegende Wahl. Wer vor allem kleinere Lieferungen auf mehrere Etagen verteilt, schaut sich den Butlerbot W3 mit Aufzugsteuerung an. Alle Modelle nebeneinander zeigt die Übersicht der Robotics-Lösungen von HÖLL.
Was muss ein Pflegeheim vor dem ersten Einsatz klären?
Vor dem ersten Einsatz muss ein Pflegeheim drei Dinge klären: ob die Gebäude passen (Gänge, Schwellen, Türen, Aufzug, WLAN), wie die Daten der Bewohner geschützt bleiben, und wie die Mitarbeitenden von Anfang an beteiligt werden. Am Gebäude scheitert selten etwas, an fehlender Beteiligung häufiger. Im Caritas-Projekt waren die Pflegekräfte deshalb von Beginn an Teil der Erprobung.

Vor dem ersten Robotereinsatz klären
- Engste Stelle auf jedem Weg messen: Flure, Türen, Ecken an der Stationstheke.
- Schwellen und Rampen prüfen: Wie hoch, wie steil? Die Herstellerangabe des Modells daneben legen.
- Türen klären: Öffnen Flur- und Brandschutztüren automatisch, oder braucht der Roboter eine Anbindung?
- Aufzug: Soll der Roboter Etagen wechseln? Dann mit dem Aufzugbetreiber über die Anbindung sprechen.
- WLAN auf allen Fluren, die der Roboter befährt, auch im Keller und in der Wäscherei.
- Ladeplatz mit Steckdose festlegen, abseits der Laufwege der Bewohner.
- Datenschutz: Mit dem Hersteller klären, welche Kamera- und Sensordaten gespeichert werden, und den Datenschutzbeauftragten früh einbeziehen.
- Bewohner, Angehörige und Heimbeirat informieren, bevor der Roboter das erste Mal fährt.
- Ein bis zwei Mitarbeitende als feste Ansprechpersonen für den Roboter benennen.
- Bei der Pflegekasse nachfragen, ob die Anschaffung unter die Digitalisierungsförderung fällt.
Zum letzten Punkt: Die Pflegeversicherung fördert nach § 8 Absatz 8 SGB XI digitale und technische Ausrüstung in Pflegeeinrichtungen, die Pflegekräfte entlastet, mit bis zu 12.000 Euro je Einrichtung und höchstens 40 Prozent der Kosten; das Programm läuft bis 2030 (GKV-Spitzenverband, Orientierungshilfe). Roboter sind dort nicht ausdrücklich genannt, ob ein bestimmtes Gerät förderfähig ist, entscheidet die Pflegekasse. Fragen Sie vor der Bestellung, nicht danach.
Der sicherste Weg zur Entscheidung ist ein Test im eigenen Haus: Der Roboter lernt die Flure, fährt die echten Wege, und das Team sagt nach ein paar Wochen, ob er hilft. Wie so ein Test eines Roboters im eigenen Pflegeheim abläuft, klären die Robotics-Ansprechpartner von HÖLL in Baden-Baden vorab bei einer Begehung.
Fazit
Der Pflegeroboter, der Menschen pflegt, ist 2026 noch ein Forschungsthema. Der Roboter, der trägt, ist fertig: Er bringt Wäsche, Essen und Material durchs Haus, serviert im Speisesaal und reinigt nachts die Flure. Ob er sich lohnt, entscheidet die Zahl der Wege, nicht die Zahl der Betten. Wer seine Wege eine Woche lang zählt, die Gebäudefragen klärt und das Team früh einbindet, weiß nach einem Test im eigenen Haus, ob ein Roboter seinen Platz hat.
Häufige Fragen zu Pflegerobotern
Gibt es Roboter, die Pflegebedürftige aus dem Bett heben?
Als fertiges Produkt für den Heimalltag nicht. Roboter, die beim Transfer oder Umlagern helfen, werden in Forschungsprojekten entwickelt, etwa am Geriatronik-Zentrum der TU München. Im Pflegeheim helfen heute Lifter und Hilfsmittel, die eine Pflegekraft bedient.
Kann ein Roboter im Pflegeheim selbst Aufzug fahren?
Ja, wenn Modell und Aufzug dafür vorbereitet sind. Der KEENON Butlerbot W3 ruft den Aufzug mit einem Zusatzmodul selbst und fährt allein auf die Zieletage. Der Aufzugbetreiber muss die Anbindung freigeben.
Wie viel Platz braucht ein Roboter auf dem Flur?
Das hängt vom Modell ab. Schmale Serviceroboter kommen durch Gänge ab 49 cm, Transportroboter mit großer Ladefläche brauchen rund 90 cm. Gemessen wird an der engsten Stelle des Weges, nicht an der Flurbreite.
Was kostet ein Pflegeroboter?
Forschungsroboter für die Pflege am Menschen sind nicht zu kaufen. Logistik-, Service- und Reinigungsroboter gibt es zum Kauf oder mit Servicevertrag; was ein Modell kostet, hängt an Aufgabe und Ausstattung. Die Digitalisierungsförderung der Pflegeversicherung kann einen Teil tragen, wenn die Pflegekasse das Gerät anerkennt.
Nehmen Roboter Pflegekräften die Arbeit weg?
Nein. Die Roboter, die heute im Pflegeheim fahren, übernehmen Wege und Transporte, keine Pflege. Die Zeit, die dadurch frei wird, soll den Bewohnern zugutekommen, so beschreibt es auch die Caritas nach ihrem dreijährigen Praxisprojekt.
Quellen
- Statistisches Bundesamt: Bis 2049 werden voraussichtlich mindestens 280 000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt, Pressemitteilung, Januar 2024
- epd / Sonntagsblatt: Altenpflege: Studie zeigt Nutzen von Robotern in der Praxis, 17.04.2026
- ingenieur.de: Nachts übernehmen Roboter, 01.10.2026
- GKV-Spitzenverband: Orientierungshilfe zur Digitalisierungsförderung nach § 8 Abs. 8 SGB XI, April 2024
- TU München, MIRMI: Geriatronik-Zentrum Garmisch-Partenkirchen
- KEENON Robotics: Herstellerangaben zu S100, W3, T3, T11, C30 und C40