Großraumbüro planen: Fläche, Zonen, Akustik und die 5 größten Fehler

Ein Großraumbüro zu planen klingt nach einer einfachen Aufgabe: viel Fläche, viele Schreibtische, fertig. In der Praxis scheitern genau daran die meisten Projekte. Wer nur die Möbelkosten budgetiert, vergisst die Akustik. Wer nur die Arbeitsplätze zählt, vergisst die Rückzugszonen. Und wer den Umbau ohne Beteiligung der Mitarbeitenden durchzieht, erntet Widerstand statt Produktivität.

Dieser Ratgeber zeigt, worauf es bei der Planung eines Großraumbüros wirklich ankommt – mit konkreten Flächenwerten, Budgetrahmen und einer Checkliste für die Planung.

Flächenbedarf: Wie viel Platz braucht ein Großraumbüro?

Die Arbeitstättenverordnung (ASR A1.2) schreibt vor:

Arbeitsplatz Mindestfläche
Erster Arbeitsplatz im Raum 8 m²
Jeder weitere Arbeitsplatz 6 m²
Empfehlung für produktives Arbeiten 10–12 m²

Die gesetzliche Mindestfläche ist der untere Grenzwert – nicht der Zielwert. Wer auf Minimum plant, spart Miete und verliert Produktivität. Ein realistischer Planungswert für ein modernes Großraumbüro mit Zonenkonzept liegt bei 12–15 m² pro Mitarbeitenden – inklusive Besprechungsfläche und Rückzugszonen.

Wichtig bei Desk Sharing: Die Schreibtischanzahl kann niedriger sein als die Mitarbeitendenzahl, aber die Gesamtfläche muss trotzdem alle Zonen abbilden können.

Zonenkonzept: Die vier Pflichtbereiche

Ein Großraumbüro ohne Zonenkonzept ist ein Großraumbüro das scheitert. Die vier Zonen sind keine Option:

Produktive Arbeitswelt hat…

  • Fokuszone: ruhig, abgetrennt, kein Durchgang
  • Kollaborationszone: offen, Whiteboards, Stehtische
  • Rückzugszone: Telefonkabinen, Einzelpods
  • Kommunikationszone: Lounge, Kaffeecke, informell

Typische Fehler…

  • Nur Schreibtischfläche, kein Rückzug
  • Lounge direkt neben Fokusarbeitsplätzen
  • Besprechung ohne akustische Trennung
  • Keine Telefonkabinen eingeplant

Flächenaufteilung als Orientierung für ein ausgewogenes Großraumbüro: ca. 60 % Arbeitsfläche, ca. 15 % Besprechung, ca. 10 % Rückzug (Kabinen, stille Zonen), ca. 15 % Kommunikation und Lounge.

Akustik: Der kritischste Planungsfaktor

Möbelkosten machen nur 30–40 Prozent des Gesamtbudgets aus. Der Rest verteilt sich auf Akustik, IT, Beleuchtung und Planung. Wer nur die Möbel budgetiert, läuft in ein teures Nachrüstprojekt.

Realistische Akustikkosten für ein Großraumbüro: 80–120 Euro pro Quadratmeter. Für ein 200 m² Großraumbüro also 16.000–24.000 Euro allein für Akustikmaßnahmen. Wer das nicht einplant, gibt es später doppelt aus – weil Nachrüstung in eingerichteten Räumen aufwändiger ist.

Akustische Mindestanforderungen:

  • Nachhallzeit unter 0,6 Sekunden (Zielwert ASR A3.7)
  • Deckensegel oder Deckenabsorber auf mind. 25 % der Deckfläche
  • Akustiktrennwände zwischen Fokus- und Kommunikationszone
  • Eine Telefonkabine pro 8–10 Arbeitsplätze

Verkehrswege und Sichtachsen

Zwei häufig vergessene Planungsaspekte:

Verkehrswege: Externe Besucher (Kunden, Lieferanten) sollten Arbeitsflächen nicht durchschreiten müssen. Empfang und Besprechung nahe am Eingang planen, Arbeitsbereiche dahinter.

Sichtachsen: Lounge und Kommunikationsbereiche nicht direkt neben Fokusplätzen – visuelle Ablenkung ist genauso produktivitätsmindernd wie akustische. Trennwände oder Pflanzen als Sichtschutz einplanen.

„Ein Sofa neben Fokusarbeitsplätzen – das sieht modern aus, funktioniert aber nicht. Die Lounge gehört akustisch und visuell getrennt von den Arbeitsbereichen. Das ist kein Geschmacksfrage, sondern eine Planungsgrundlage.“

— Carolin Höll, Geschäftsführerin Höll Office GmbH

Budget: Was ein Großraumbüro wirklich kostet

Kostenblock Anteil am Gesamtbudget Richtwert
Möblierung 30–40 % 1.500–4.500 €/AP
Akustikmaßnahmen 20–25 % 80–120 €/m²
IT-Infrastruktur 15–20 % 500–1.500 €/AP
Beleuchtung 10–15 % je nach Umrüstungsbedarf
Planung, Aufbau, Puffer 10–15 % individuell

Die 5 häufigsten Planungsfehler

  • Fläche zu knapp kalkuliert. Das gesetzliche Minimum ist kein Planungsziel. Zu enge Belegung erhöht Lärm, Ablenkung und Unzufriedenheit.
  • Keine Rückzugszone eingeplant. Wer kein Ort für Telefonate und konzentriertes Arbeiten hat, wird im Open Space dauerhaft abgelenkt.
  • Akustik als Nice-to-have. Akustik gehört in Phase 1 der Planung – nicht als Nachrüstung nach dem Einzug.
  • Lounge falsch platziert. Kommunikationsbereiche direkt neben Fokuszonen zerstören den Ruhevorteil der Zone.
  • Mitarbeitende nicht einbezogen. Wer die Nutzenden nicht fragt, plant am Bedarf vorbei.

Checkliste: Großraumbüro planen

Vor der Planung

Fläche und Zonen

Akustik

Umsetzung

Fazit

Ein Großraumbüro das funktioniert, braucht mehr als einen offenen Grundriss. Es braucht ein durchdachtes Zonenkonzept, eine Akustiklösung die von Anfang an mitgeplant wird – und ausreichend Fläche für alle Nutzungsarten. Wer das einhält, bekommt eine Arbeitsumgebung in der Teams produktiver und zufriedener arbeiten.

Höll begleitet Unternehmen in Karlsruhe, Baden-Baden und Rastatt bei der Planung – von der Bedarfsanalyse bis zur fertigen Einrichtung.

Häufige Fragen zum Großraumbüro

Wie viel Platz braucht ein Großraumbüro pro Person?

Gesetzliches Minimum: 8 m² für den ersten, 6 m² für jeden weiteren Arbeitsplatz. Realistischer Planungswert inkl. Zonen: 12–15 m² pro Mitarbeitenden.

Was kostet ein Großraumbüro wirklich?

Möbel sind nur 30–40 % des Gesamtbudgets. Dazu kommen Akustik (80–120 €/m²), IT, Beleuchtung und Planung. Wer nur Möbelkosten budgetiert, rechnet falsch.

Braucht ein Großraumbüro zwingend Telefonkabinen?

Ja. Ohne Rückzugszonen für Telefonate und Videocalls funktioniert kein Open Space. Faustregel: eine Einzelkabine pro 8–10 Arbeitsplätze.

Was ist der Unterschied zwischen Großraumbüro und Open Space?

Das klassische Großraumbüro hat feste Schreibtische ohne Zonenkonzept. Der moderne Open Space hat verschiedene Zonen (Fokus, Kollaboration, Rückzug) und flexible Arbeitsplätze.

Wie lange dauert die Planung eines Großraumbüros?

Typisch 3–6 Monate für Konzept, Planung und Umsetzung. Der größte Zeitfaktor sind Möbellieferzeiten und Akustikeinbau.