Laut Studien verlieren Büroangestellte in Großraumbüros bis zu 86 Minuten täglich durch Lärmbelastung. Das sind über sieben Stunden pro Woche – bezahlte Arbeitszeit, die einfach verpufft. Und das ist nur die Produktivität. Dauerhafter Lärm erhöht nachweislich Stresshormone, stört den Schlaf und belastet das Herz-Kreislauf-System.
Die gute Nachricht: Schon gezielte Maßnahmen – nicht unbedingt ein großer Umbau – verbessern die Situation messbar. Diese 7 Maßnahmen sind nach Wirkungsgrad sortiert.
Inhaltsverzeichnis
- Was die Arbeitstättenverordnung vorschreibt
- Maßnahme 1: Deckenabsorber und Deckensegel
- Maßnahme 2: Akustikpaneele an Wänden
- Maßnahme 3: Telefonkabinen und Akustikboxen
- Maßnahme 4: Schallschutztrennwände
- Maßnahme 5: Bodenbelag und Textilien
- Maßnahme 6: Pflanzen als natürliche Schallabsorber
- Maßnahme 7: Verhaltensregeln und Zonenkonzept
- In welcher Reihenfolge vorgehen?
- Fazit
- Häufige Fragen
Was die Arbeitstättenverordnung vorschreibt
Laut Arbeitstättenverordnung (ASR A3.7) sind folgende Richtwerte für Büroarbeitsplätze einzuhalten:
| Tätigkeit | Empfohlener Schallpegel |
|---|---|
| Konzentrierte Einzelarbeit, Programmieren | max. 55 dB(A) |
| Großraumbüro mit gemischten Tätigkeiten | max. 65 dB(A) |
| Sekretariats- und Kommunikationsarbeiten | max. 70 dB(A) |
Zum Vergleich: Ein normales Gespräch in 1 Meter Abstand erzeugt etwa 60 dB(A). In einem typischen Großraumbüro ohne Akustikmaßnahmen liegen die Pegel häufig deutlich darüber. Die Nachhallzeit sollte in Büroräumen unter 0,6 Sekunden liegen.
Maßnahme 1: Deckenabsorber und Deckensegel
Die Decke ist die größte unkontrollierte Schallfläche im Raum. Schall breitet sich nach oben aus, reflektiert von der Decke und verteilt sich im gesamten Raum. Deckensegel und Deckenabsorber unterbrechen diesen Kreislauf direkt an der Quelle.
Wirkung: Hoch. Deckenlösungen zeigen in der Praxis den größten messbaren Effekt auf Nachhallzeit und Gesamtpegel.
Kosten: 50–200 Euro/m² montiert je nach Material und Ausführung.
Gut zu wissen: Bereits 20–30 Prozent der Deckfläche mit Absorbern zu belegen reicht für eine spürbare Verbesserung. Nicht die gesamte Decke muss belegt werden.
Maßnahme 2: Akustikpaneele an Wänden
Wandpaneele absorbieren Schall bevor er sich im Raum weiter ausbreitet. Besonders wirkungsvoll sind Paneele an den Schmalseiten des Raumes (parallel zu den Schreibtischreihen) und an Lärmquellen wie Drucker- und Kommunikationsbereichen.
Wirkung: Mittel bis hoch – in Kombination mit Decklösungen sehr effektiv.
Kosten: 30–120 Euro/m² montiert.
Tipp: Paneele der Absorptionsklasse A (αw ≥ 0,90) wählen. Dekorative Varianten mit individuellem Druck sind preislich kaum teurer als einfache Ausführungen und verbessern gleichzeitig die Raumoptik.
Maßnahme 3: Telefonkabinen und Akustikboxen
Telefonkabinen lösen ein Problem das Deckenabsorber nicht können: Sie schaffen Rückzugsmöglichkeiten für Gespräche. Wer telefoniert oder einen Videocall macht, stört andere nicht mehr – und wird selbst nicht gestört.
Wirkung: Hoch bei direkter Geräuschbelastung durch Kommunikation.
Kosten: Einzelkabinen ab 1.500 Euro, Meetingboxen ab 8.000 Euro.
Faustregel: Eine Einzelkabine pro 8–10 Arbeitsplätze. In Call-Center-nahen Umgebungen mehr.
Maßnahme 4: Schallschutztrennwände
Akustik-Stellwände und Trennwände zwischen Arbeitsplätzen blockieren die direkte Schallausbreitung zwischen Personen. Sie schaffen gleichzeitig visuelle Privatsphäre und strukturieren den Raum optisch.
Wirkung: Mittel – wirkt lokal, nicht raumweit.
Kosten: 200–1.000 Euro pro Element je nach Größe und Ausführung.
Gut zu wissen: Kombiniert mit Akustikpaneelen an der Decke entsteht eine Zonen-Wirkung: oben dämpfen, unten trennen.
Maßnahme 5: Bodenbelag und Textilien
Harte Böden – Laminat, Fliesen, Beton – reflektieren Schall stark. Teppich oder Akustik-Vinylboden schluckt Schall direkt an der Quelle. Auch Vorhänge, Polstermöbel und textile Trennwände leisten einen Beitrag.
Wirkung: Gering bis mittel – aber oft die günstigste Maßnahme mit sofortigem Effekt.
Kosten: Teppich ab 15 Euro/m², Akustikboden ab 25 Euro/m².
Maßnahme 6: Pflanzen als natürliche Schallabsorber
Große Pflanzen mit vielen Blättern streuen Schall und dämpfen ihn leicht. Sie ersetzen keine professionellen Akustiklösungen, ergänzen sie aber sinnvoll – besonders als natürliche Raumteiler zwischen Arbeitsbereichen.
Wirkung: Gering – aber positiver Nebeneffekt für Luftqualität und Wohlbefinden.
Kosten: Ab wenigen hundert Euro für große Pflanzarrangements.
Geeignete Pflanzen: Monstera, Bambus, Drachenbaumarten, Ficus. Je größer und dichter, desto besser die Wirkung.
Maßnahme 7: Verhaltensregeln und Zonenkonzept
Ohne Verhaltensregeln verpufft jede bauliche Maßnahme. Klare Regeln für Kommunikationszonen und Stillbereiche machen den Unterschied:
- Telefonate grundSätzlich in Kabinen oder Telefonbereichen führen
- Längere Gespräche in Besprechungsräume verlagern
- Konzentrationszonen mit klaren Ruheregeln definieren
- Kopfhörer als Signal: Wer Kopfhörer trägt, möchte nicht angesprochen werden
Wirkung: Hoch – wenn alle mitmachen. Und das tun sie eher wenn sie in die Regelentwicklung einbezogen werden.
„Akustikmaßnahmen und Verhaltensregeln müssen zusammenkommen. Wer nur baut ohne die Nutzung zu regeln, löst das Problem zur Hälfte. Wer nur Regeln aufstellt ohne zu bauen, überfordert die Mitarbeitenden.“
In welcher Reihenfolge vorgehen?
Checkliste: Lärm im Büro reduzieren
Sofort (kein Umbau)
Kurzfristig (1–3 Monate)
Mittelfristig (Umbau)
Fazit
Lärm im Büro ist kein unveränderbares Schicksal. Mit der richtigen Kombination aus baulichen Maßnahmen und klaren Verhaltensregeln lässt sich der Geräuschpegel messbar senken – und die Produktivität genauso messbar steigern.
Höll unterstützt Unternehmen in Karlsruhe, Baden-Baden und Rastatt bei der Akustikplanung – von der ersten Bestandsaufnahme bis zur fertigen Lösung.
Häufige Fragen zum Thema Lärm im Büro
Wie laut darf es im Büro sein?
Laut Arbeitstättenverordnung (ASR A3.7) maximal 55 dB(A) für konzentrierte Einzelarbeit, bis 65 dB(A) im Großraumbüro. Zum Vergleich: Ein normales Gespräch erzeugt ca. 60 dB(A) auf 1 Meter Abstand.
Was hilft am schnellsten gegen Lärm im Büro?
Verhaltensregeln und eine Telefonkabine – beides lässt sich kurzfristig umsetzen ohne Umbau. Mittelfristig bringen Deckensegel den größten messbaren Effekt.
Was ist der Unterschied zwischen Schallabsorption und Schalldämmung?
Schallabsorption (Paneele, Deckensegel) reduziert den Nachhall innerhalb des Raumes. Schalldämmung (Kabinen, Wände) verhindert die Übertragung zwischen Räumen. Beides löst unterschiedliche Probleme.
Kann der Arbeitgeber verpflichtet werden den Lärm zu reduzieren?
Ja. Die Arbeitstättenverordnung verpflichtet Arbeitgeber dazu, die Geräuschbelastung auf ein gesundheitlich unbedenkliches Maß zu begrenzen. Bei dauerhafter Überschreitung der Richtwerte drohen Beanstandungen durch die Berufsgenossenschaft.
Helfen Kopfhörer gegen Lärm im Büro?
Als kurzfristige Einzellösung ja. Als dauerhafter Ersatz für bauliche Maßnahmen nein – Kopfhörer ermüdigen und schaffen keine Lösung für das Grundproblem.