Zum Bewegen bewegen
- So wichtig ist bewegtes Sitzen. Ein Gespräch.

Sitzen bzw. genauer, »Stillsitzen« ist das neue Rauchen, sagt der Gesundheitswissenschaftler Prof. Ingo Froböse der Sporthochschule Köln.
Im Gespräch erläutert Herr Froböse die Zusammenhänge zwischen unserem allzu »sesshaften« Büroalltag und den daraus resultierenden gesundheitlichen Gefahren – und zeigt neue Wege der Büroorganisation auf.

Herr Prof. Froböse, das Lümmeln im Bürostuhl ist verpönt – schon aus Gründen der Etikette.

Finden Sie das auch?

"Nein, das halte ich für falsch. Der Körper will sich nun man bewegen. Und hinter den biologischen und physiologischen Funktionen darf die Etikette ruhig auch einmal zurückstehen. Man darf gerne lümmeln. Auch im Büro. Man darf übrigens auch gern einmal die Füße auf den Tisch legen!"


Um es bequem zu haben?
"Nein, um den Blutrückfluss, die gesamte Zirkulation in Bewegung zu bringen. Wir sitzen generell zu viel, gerade im Büro…"


…und kriegen in beengten oder beengenden Situationen unruhige Beine!
"Ja! Jeder Zappelphilipp, der unter dem Bürotisch mit den Füßen scharrt, tut etwas sehr Gesundes: Er verschafft sich Bewegung. Gut, wenn man sich noch ein Wackelbrett oder einen Therapiekreisel zur Fußreflexzonenmassage unter den Tisch stellt. Die motorische Unruhe liegt in der Evolution begründet."


Inwiefern?
"Der Mensch ist dafür gemacht, sich jeden Tag zehn bis zwölf Stunden körperlich zu bewegen. Aber das tun wir Büromenschen von heute nicht mehr."


Doch wohl, weil der Mensch versucht, seine Arbeitsweise zu optimieren und unnötige Anstrengungen zu vermeiden!
"Es ist klar, dass der Mensch schon immer nach Bequemlichkeit strebte, um sparsam mit den früher sehr knappen Kalorien umzugehen. Aber diese Bequemlichkeit geht heute auf Kosten unserer körperlichen Bewegungsdynamik. Aus der Entlastung ist längst eine Unterforderung geworden."


In den 20er Jahren konzipierte die Architektin SchütteLihotzky die »Frankfurter Küche«, in der alle Einrichtungen um den Nutzer herum gruppiert waren, heutige Büroarbeitsplätze funktionieren nach dem Cockpitprinzip, in dem ebenfalls möglichst alles mit einem Griff erreichbar sein soll: Ist das nicht ein optimales Organisationsprinzip für das Büro?
"Die Technik ersetzt zu viel eigene Aktivität, es bleibt zu wenig Beanspruchung im Büro für uns. Es war in der Natur schlicht nicht vorherzusehen, dass wir überleben können, ohne mehr zu bewegen als unsere Finger."


Aber worin liegt in diesem eigentlich doch richtig erscheinenden arbeitsorganisatorischen Ansatz etwas Falsches begründet?
"In dem Maße, indem ich meine Büroarbeitssituation um einen Bürostuhl und Tisch bündele, die Bewegungsabläufe automatisiere, nehme ich meiner Biologie die Reize weg. Der Mensch lebt aber durch die Reaktion auf Reize. Die technischen Entwicklungen eilen rasant voran, der menschliche Organismus kann ihnen nicht schnell genug folgen. Die Evolution hat sich gleichsam nicht an die Erfindungen von Schütte-Lihotzky und der des Computers durch Bill Gates angepasst. Was sind schon die letzten 90 oder gar nur 15 Jahre in der Evolutionsgeschichte des Menschen? Und die Schere, die sich hier auftut, bereitet mir Sorgen."


Was sind die Folgen?
"Gesundheitsschäden! Körperliche Inaktivität ist mittlerweile der größte Risikofaktor für unsere Gesundheit. Salopp formuliert: Stillsitzen ist das neue Rauchen. Fordern Lungenerkrankungen jährlich europaweit 750.000 Opfer, sind es bei den durch Bewegungsmangel hervorgerufenen Krankheiten rund 1,2 Millionen."


Sind das gesicherte Zahlen?
"Dazu gibt es sogar Studien der WHO, der Weltgesundheitsorganisation. Das tägliche Sitzen ist eigenständiger Risikofaktor."


Was ist angesagt?
"Wir müssen die Menschen wieder zum Bewegen bewegen. Gerade im Büro. Und zwar nicht erst zur sportlichen Betätigung nach Feierabend.
Warum nicht? Weil sich auch durch ein abendliches Fitnessprogramm die langen Phasen körperlichen Stillstands am Tage nicht kompensieren lassen. Allein schon zwei Stunden regungsloses Sitzen am Computer sorgt dafür, dass faktisch nur noch das Gehirn gut durchblutet wird, zahlreiche andere Körperfunktionen aber so weit heruntergefahren werden, dass der Rest unterversorgt ist – Herz und Kreislauf, aber auch Muskeln und Knorpel, die längerfristig Schäden davontragen. Symptom dieses Lebenswandels beziehungsweise dieser Arbeitshaltung ist das Übergewicht – aber das ist nur ein Symptom."


Was heißt das für den Büroalltag?
"Dass er dynamisiert werden muss. Die bewegungsfeindliche Arbeitsplatzsituation muss wieder in eine bewegungsfreundliche verwandelt werden. Warum muss ich Drucker, Faxgerät und am besten auch noch die Kaffeemaschine direkt am Arbeitsplatz haben? Und warum soll ein Bürostuhl eigentlich Rollen haben, so dass ich gar nicht mehr aufstehen muss? Ich weiß, das ist heute alles genormt, aber das macht es nicht zwangsläufig richtiger. Je mehr Wege ich mir mache, desto besser. Statt von den Menschen Fitnesstraining am Abend zu verlangen, müssen wir andere Wege gehen. Der bewegte Büroalltag ist die Lösung."

» Schon kleine Veränderungen im Sitzen haben eine große Wirkung. «

Wie halten Sie es selbst damit?
"Ich habe mein Büro dezentral organisiert. Habe nicht Drucker und Faxgerät am Tisch, mache mir einen Kaffee in der Küche und, statt meinen Mitarbeitern eine E-Mail zu schreiben, gehe ich lieber hin und spreche direkt mit ihnen. Das ist auch viel effizienter. Übrigens sind sowohl mein Schreib- als auch der Konferenztisch in meinem Büro höhenverstellbar. Ich sitze auf einem beweglichen Stuhl und beim Telefonieren stehe ich gern".


Bringt das einen messbaren Effekt?
"Wenn ich eine Stunde stillsitze, verbrenne ich ungefähr ein Gramm Fett, stehe ich, sind es zwei Gramm. Das heißt, ich verdoppele mal eben meinen Stoffwechsel. Je mehr und vielfältigere Muskelmasse aktiv ist, desto besser die Versorgung des ganzen Körpers. Die positive Nachricht: Schon verhältnismäßig kleine Veränderungen im Bewegungs-und Büroalltaghaben eine große Wirkung."


Wie ist das messbar?
"Indem wir Stoffflüsse und Stoffwechselreaktionen im Körper untersuchen. Bewegung macht auch frisch.
Heißt das, dass mehr physischer Bewegungsspielraum auch zu mehr mentaler Beweglichkeit führt, anders gefragt: dass Quersitzen- und Querdenkenkönnen miteinander zusammenhängen?
Wir wissen, dass Bewegung Stimulanz für das Gehirn ist – mehr und ganz anders als Sudoku oder Kreuzworträtsel –, weil sie nicht nur die Neurogenese, das Wachstum von Nervenzellen fördert, sondern auch deren Vernetzung. Das geschieht nicht beim Stillsitzen auf dem Sofa."


Aber auf Bürostühle?
"Ja – sofern mir der Bürostuhl alle Bewegungen, die ich sitzend vornehmen kann, ermöglicht. Wir haben dazu eine Feldstudie durchgeführt, bei der die Konzentrationsleistung auf dreidimensional beweglichen Wilkhahn ON-Stühlen deutlich höher ausfiel als auf konventionellen Bürostühlen."


Also ein Bürostuhl, der mich auch lümmeln lässt?
"Zum Beispiel. Wichtig ist, dass er mir bei meinen dreidimensionalen Bewegungsabläufen im Büro möglichst viele Freiheitsgrade erlaubt, mich aber auch unterstützt."


Was bedeutet das?
"Bei früheren Versuchen, mehr Dynamik in den Büroalltag zu bringen, haben sich Leute auf Gymnastikbälle gesetzt, die in ihrer totalen Instabilität den Körper überfordert haben. Wir können nicht gleichzeitig konzentriert arbeiten und uns dabei permanent selbst in Balance halten. Am anderen Ende der Skala stehen Bürostühle mit zig Hebeln und Polstern, die vom Körper gar keine Anpassung mehr fordern, sondern wie ein Korsett Körperfunktionen übernehmen und ihn genau dadurch schwächen. Meine Empfehlung liegt nicht einfach nur in der Mitte, sondern heißt: Dynamik."

» Das Sitzen auf dem Wilkhahn IN ist wie Gymnastik, aber wie eine, die Spaß macht. «

Im Sitzen?
"Ja, wenn ich genug Voraussetzungen mitbringe, brauche ich gar nicht so viel Hilfe und Unterstützung, könnte theoretisch auch auf einer Bank sitzen. Deren Unbequemlichkeit zwingt dann ganz automatisch zu häufigen Bewegungen und Haltungswechseln. Aber wenn das Sitzen zu lange dauert, dann sollte mein Bürostuhl mir sowohl Bewegungsmöglichkeiten eröffnen als mich auch stützen…"


… wie es das »dynamische Bewegungssitzen« nachgewiesenermaßen in den neuesten Bürosessel-Entwicklungen von Wilkhahn, wie der Wilkhahn IN ermöglicht …
"… ja. Auch das haben wir genau untersucht. Wenn Körper und Stuhl in eine intuitive Interaktion treten, ohne dass dazu ein Willensakt notwendig ist, haben wir schon viel gewonnen. Wobei ich die Verantwortung für meine Fitness und Gesundheit natürlich nicht an Bürostühle abgeben kann. Fitness und Gesundheit kann ich nicht kaufen, sondern muss ich selbst verantworten.. Aber Produkte können mir dabei helfen, die starre Situation im Büro aufzulösen, für mehr »Schreibtischabwechslung« zu sorgen."


Sind mehr Bewegungsmöglichkeit dabei die Hauptsache?
"Bürostühle müssen natürlich auch die Stabilität und Sicherheit geben, die ich für Tätigkeiten, wie es gerade die Arbeit am Computer nun mal ist, benötige."


Spielt neben der direkt erfahrbaren »ergonomischen« Gestaltung auch das Design eine Rolle?
"Unser Körper verfügt ja über verschiedene Sinne und Analysatoren. Das Visuelle gehört selbstverständlich dazu. Dass zum Beispiel Farben Stimmungen erzeugen und beeinflussen, ist ja ganz klar. Und so sollte auch das Büro ein positives Bild und Umfeld bieten – vom attraktiv abgestimmten Gesamteindruck der Räume bis hin zur Formensprache des einzelnen Objekts."


Herr Prof. Froböse. Wir danken für das Gespräch.



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